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KLASSISCHE SCHÖNHEITEN / JAGUARE JAGEN UND SAMMELN


Im JLR Classic Center in Essen-Kettwig begegnet man dem Menschen in seiner Ursprungsform: Als Jäger und Sammler. Auf mehr als 4.000 Quadratmetern werden hier klassische Jaguar und Land Rover Modelle restauriert und für Oldtimer-Liebhaber gesucht und gefunden. „Head of Sales“, wie es im JLR Classic Center auf Englisch heißt, ist seit 2019 Oliver Schepp-Danne. Er begann Mitte der 90er-Jahre seine Karriere beim britischen Luxus-Automobilhersteller Jaguar, seither ist er der Marke treu geblieben. Schepp-Danne kennt viele Anekdoten und kuriose Geschichten über die besonderen Fahrzeuge und ihre Sammler.



Am begehrtesten für Jaguar Sammler seien Raritäten, Fahrzeuge, die eine Geschichte zu erzählen hätten. „Ebensolche sind die Outside Bonnet Lock-Modelle der berühmten E-Type Serie“, sagt der 56-Jährige. Diese ersten Vorserienmodelle kamen 1961 auf den Markt und wurden später nach dem außen verriegelbaren Motorhaubenschloss benannt. „Sie waren damals so schnell wie ein Ferrari oder Aston Martin, kosteten aber etwa nur die Hälfte“, erläutert Schepp-Danne. Er nennt diese Epoche der „Alles, was geht“-Dekade, in der der E-Type erschaffen wurde, als eine Zeit, in der dieser Wagen wie aus einer anderen Welt gewirkt habe. Fast so, als wäre er gemeinsam mit Neil Armstrong, dem ersten Mann auf dem Mond, aus dem Weltall zurück mit auf die Erde geflogen. „Als das Modell in Genf vorgestellt wurde, waren die Auftragsbücher sofort voll“, sagt Schepp-Danne. Dabei sei die geplante Produktionslinie für die Modellreihe zu dem Zeitpunkt noch gar nicht fertiggestellt gewesen. „Die ersten Fahrzeuge mussten somit, wie damals auch bei Ferrari und Aston Martin üblich, per Hand zusammengebaut werden.“ Knapp 500 Roadster und 24 Coupés entstanden in dieser Zeit.

Mitunter ist Oliver Schepp-Danne mit der Suche nach begehrten Modellen zwei Jahre beschäftigt. So etwa für den Auftrag eines Sammlers aus Deutschland. Er war auf der Suche nach einem solchen E-Type Outside Bonnet Lock Coupé, von dem weltweit nur noch elf Stück existieren sollen. Entdeckt hat Schepp-Danne dann eins der seltenen Exemplare bei einer Auktion in Kalifornien. In Abstimmung mit dem Kaufinteressenten durfte das Jaguar Classic Center mitbieten und das Modell am Ende für einen hohen sechsstelligen Betrag ersteigern.


Anfragen aus ganz Europa

Die Werkstatt des Classic Centers, geleitet durch „Head of Service“ Thomas Bruster, ist ebenfalls gut ausgelastet und erhält Anfragen aus ganz Europa. Verständlich, denn sie kann vom Frühjahrsservice, über Instandsetzung bis hin zur Restauration alles abdecken. Durch den Leitgedanken „Restaurieren statt wegwerfen“ ist das Center auch ein ganzes Stück nachhaltig. „Es ähnelt etwa dem Trend der Architektur, statt im Bestand zu bauen, im Bestand reparieren“, erläutert Bruster. Während der Restaurationsarbeiten machen die Fachkräfte der Werkstatt auch oft interessante Entdeckungen. In einem E-Type wurde etwa nach dem Freilegen des Metalls eine eingenietete Coca-Cola-Blechdose gefunden. Vermutlich hatte ein Autofan bei der Reparatur von Rostlöchern einfach auf das nächstgelegene verfügbare Metallblech zurückgegriffen. 




Einen ewig schönen Wagen

Bei Interesse an einem Jaguar Oldtimer oder gar dem Wunsch, eine eigene Jaguar Sammlung aufzubauen, sollte laut Oliver Schepp-Danne mit einem Mark 2 (3,8 Liter, Schaltgetriebe mit Overdrive, ab 50.000 €) oder einem Jaguar E-Type der Serie 1 (3,8 Liter, Roadster, ab 160.000 € oder Coupé ab 130.000 €) beginnen: „Dann kann man stolz von sich behaupten, einen ewig schönen Wagen zu fahren.“